Warum ich kein Fleisch esse

„Ab und zu Fleisch essen ist wichtig für die Gesundheit.“

„Ich kaufe nur Bio Fleisch.“ Wahlweise: „Ich esse nur Geflügel.“

„Als könnte man dadurch die Welt retten. Die ist halt scheiße. Gibt so viele andere Baustellen.“

Kennt ihr diese Sätze irgendwoher?

Ob in meiner Familie, meinem Freundes- und Bekanntenkreis, es gibt immer mehr Menschen, die sich toller Weise für den vegetarischen oder veganen Weg entscheiden.

Neulich, beim Spaziergang mit Tammi, kam ich ins Gespräch mit einer ganz reizenden Hundebesitzerin.

Tammi_Irgendwann unterhielten wir uns über Weihnachten, sie berichtete von der traditionellen Pute, „ohne die Weihnachten, kein Weihnachten wäre“, und ich erzählte ihr im Gegenzug von unserem Buffet voller veganer Köstlichkeiten, homemade, die drei Generationen unterm Tannenbaum wunschlos glücklich gemacht hat.

Die nette Hundefrau konnte sich gar nicht einkriegen.

„Und Sie essen gar kein Fleisch? Auch nicht Bio? Wieso denn das nicht?“

 

Das hier sind, in Kurzfassung, meine Argumente, warum ich kein Fleisch esse:

Ich bin nicht in einer Hippiekommune auf Ibiza oder Goa aufgewachsen, sondern in Berlin und meine Eltern kann man auch ganz bestimmt nicht als Öko-Freaks bezeichnen.

Und obwohl meine Mutter eine tolle Köchin war und ist, sie ihren Garten anbetet und dort auch erfolgreich leckerste Gemüsesorten zieht, gab es in meiner Kindheit und Jugend Fleisch. Und zwar reichlich.

Nicht täglich, aber mehrfach wöchentlich und eine äußerst eindrucksvolle Kindheitserinnerung von mir ist, dass ich mittags mit einem „Was gibt’s heute?“ in die Küche renne und meine Mutter mir lächelnd ein riesiges, langes, graues Teil vor die Nase hält: Rinderzunge.

Meinen Ekelabscheu-Entsetzensschrei hat man sehr weiträumig vernommen.

Das Teil wurde dann gekocht und in Scheiben geschnitten mit Blumenkohl, Kartoffeln und Senfsauce serviert. Ich habe doch tatsächlich ein Stück von der Zunge probiert, seltsamerweise weiß ich auch noch genau den Geschmack und spüre die Konsistenz.

Ich hätte mich beinahe übergeben.

Mit 20 hatte ich einen Freund, der 10 Jahre älter und Vegetarier war. Damals (also in der Bronzezeit) war das nicht so verbreitet wie heute. Ich fand meinen Freund hammertoll und habe in seiner Gegenwart auch nie Fleisch gegessen, obwohl ihn das nicht gestört hätte.

Später kam mir dann wieder ab und zu Rindfleisch auf den Teller und immer häufiger Geflügel. Seit knapp zwei Jahren ist damit komplett Schluss.

Schwein habe ich übrigens nie gegessen, die gehörten für mich schon immer zu meinen Lieblingstieren.

Seltsam, oder, diese Unterscheidungen.

Die geliebten Haustiere werden geherzt und umsorgt. Und Reiter*innen würden auch nie auf die Idee kommen, Pferdewurst vom Trakehner oder saftiges Pony Schnitzel zu verzehren.

Und was ist mit all den anderen Tieren? Den MILLIARDEN Lebewesen? Was gibt uns verdammt noch mal das Recht, sie derart grausam zu behandeln?

Kuh Mutter Kind

Ethische Gründe

Mit welchem Recht maßt der Mensch sich an, Tiere derart zu missbrauchen und zu quälen?

Etwa weil er sich ernsthaft noch immer für die Krone der Schöpfung hält?

Von den Milliarden Tieren, die jedes Jahr für den menschlichen Verzehr geschlachtet werden, stammen die allermeisten aus Massentierhaltungen.

Nichts mit üppigen Weiden und kuscheligen Ställen mit sauberem Stroh.

In diesen Fleischfabriken, FABRIKEN, die Schweine, Rinder, Kälber, Hühner und Puten sowie Milchkühe züchten, sind die Tiere auf engstem Raum eingepfercht, in winzige Käfige gestopft, angebunden, praktisch bewegungsunfähig.

Hühner („Ich esse nur Geflügel“) haben keine Möglichkeiten, ihre Flügel auszubreiten, ihre verkrüppelten Füße wachsen um die Metallgitter ihrer Käfige.

Der Stress bringt sie dazu, nach ihren Artgenossen zu hacken, also wird ihnen kurzerhand ein teil des Schnabels abgeschnitten.

Rinder und Schweine werden ohne Betäubung kastriert.
Sie erleiden Verbrennungen dritten Grades beim Markieren.
Hörner werden abgebrannt.
Ohren, Zähne, Schwanz verstümmelt.

Und danach geht der Wahnsinn weiter. Auf den Transporten und im Schlachthaus.

Das Netz ist voll von Bildern dazu.

Transport und Schlachthaus gibt’s übrigens nicht in der „Bio“ Variante.

Weil die Tiere also auf engstem Raum unter grausamsten Bedingungen vegetieren, in Kot und Urin und Erbrochenen stehen, an infizierten und eiternden Wunden leiden, müssen ihnen u.a. Antibiotika verabreicht werden.

Gesundheitliche Gründe

Jedes Mal, wenn man Rind, Huhn, Kalb, Schwein, Eier oder Milchprodukte aus Massentiertierhaltung zu sich nimmt, bekommt man Antibiotika, Pestizide, Steroide und Hormone dazu.

Lecker.

Und erinnern wir uns schnell mal schaudernd an die endlosen Ekel-Gammelfleisch-Salmonellen-Fleisch-Skandale.

Nicht überraschend, dass diverse Studien gezeigt haben, dass Menschen, die kein Fleisch essen, ein bis zu 40 Prozent niedrigeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken.

Außerdem sollen Nicht-Fleischesser über eine mehr als doppelt so hohe Aktivität von natürlichen Killerzellen (spezialisierte weiße Blutkörperchen) verfügen, die Krebszellen angreifen und neutralisieren.

Quelle: http://www.pcrm.org/health/health-topics/food-for-cancer-prevention

Ökonomische Gründe

Für die Produktion von einem Pfund Fleisch werden knapp hundert (100!) Pfund Getreide als Futtermittel benötigt.

Dieses Getreide steht also der Weltbevölkerung als Lebensmittel nicht zur Verfügung. Wie viele Millionen Menschen verhungern noch mal pro Jahr? Was für ein Irrsinn.

Klimatische Gründe

Jedes Kilogramm Rindfleisch verursacht 17 Kilogramm Kohlendioxid.
Hello Klimakollaps.

Also.

Nicht die Augen verschließen. Nicht rumjammern. Kühlschrank ausräumen. Umdenken.

Außerdem gibt es tonnenweise leckere Fleischersatzprodukte, die fantastisch schmecken und die Ernährungsumstellung zum Kinderspiel machen.

Hier kommen noch zwei meiner Lieblingsseiten zum Thema im Netz. Beide mit sensationellen Rezepten:

www.kriscarr.com

www.ohsheglows.com

Und schnell drei Buchempfehlungen

Tiere essen von Jonathan Safran Foer

Anständig essen von Karen Duve

Skinny bitch von Rory Freedman und Kim Barnouin

Und dieses hier noch:

Ist der Mensch nicht eigenartig?

Er tut alles, damit es seinen Haustieren gut geht, und tötet und quält gleichzeitig Milliarden von „Nutztieren“, um sie zu essen.

Dies wiederum bringt Millionen von Menschen um, weil der Verzehr all dieser Tiere zu Krankheiten, wie Herzleiden, Nierenleiden und Krebs führt.

Daher quält und tötet der Mensch Milliarden von weiteren Tieren für die „Forschung“, um diese Krankheiten heilen zu können

Anderswo auf der Welt sterben Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung, weil die Nahrung, die sie ernähren könnte, an Tiere verfüttert wird.

Und währenddessen sterben manche Leute an zynischem Gelächter angesichts dieser absurden Menschheit, die dermaßen brutal und unbekümmert tötet, und dann einmal im Jahr Karten verschickt, und sich „Frieden auf Erden“ wünscht.

(Vorwort aus Old MacDonald’s Factory Farm, C David Coates)

 

Mögen alle Lebewesen glücklich und frei sein.

♥ Doris