Über das Vorlesen – Eine Liebeserklärung

Doris Lautenbach.Kinderbücher_Mit der kleinen Raupe Nimmersatt ging’s los.
Ja, wenn ich richtig darüber nachdenke ist es wahrscheinlich wirklich so, dass ich einer schnuckeligen und verfressenen Schmetterlings-Larve eine meiner größten Leidenschaften verdanke.

Vorlesen macht glücklich. Punkt. So einfach ist das.

Die kleine Raupe Nimmersatt habe ich Lotte vor knapp zwölf Jahren so oft vorgelesen, ich konnte es auswendig damals, man hätte mich nachts wecken können und ich hätte mühelos mit geschlossenen Augen aufzählen können, durch welche Leckerbissen sich dieser kleine Fresssack so durchschlemmt, bis aus dem Klops irgendwann ein wunderschöner Schmetterling wird. In exakter Reihenfolge und nie, niemals hätte ich etwa die Stelle mit dem Lolli und dem Törtchen durcheinandergebracht.

Und ich schwöre: Jedes einzelne Mal Raupe-Vorlesen hab’ ich geliebt. Also fast jedes.

Neulich fiel mir es mir wieder in die Hände, zufällig, beim Renovieren, und auf einmal war es wieder da, nicht nur dieses Buch, mit dem alles anfing und dem ich echt viel verdanke, sondern die ganzen Erinnerungen auch.

Es sah aus, wie glücklich machende Kinderbücher auszusehen haben.

Nämlich angenagt und angelutscht und schokofleckig und heiß geliebt.

(Beim Anblick des angenagten Buches habe ich mich selbstverständlich von null auf sofort in Frau Schlosshund-Wasserfall verwandelt. Was dachten Sie denn.)

Die kleine Raupe Nimmersatt war also die Einstiegsdroge und ich war praktisch sofort drauf.
Bis zum heutigen Tag hab ich nicht aufgehört, meiner Tochter Abend für Abend vorzulesen (sie liest natürlich auch alleine, bien sur) und ja, ich gebe es zu, ich habe eine Heidenangst, eine Scheißangst, dass sie irgendwann sagt:

OMG, Mama. Heute nicht. Echt jetzt mal.

Es gehört für mich wirklich zu den allerschönsten Dingen, sich abends auf’s Bett zu kuscheln oder das Sofa, und in den Geschichten zu verschwinden, da einzuziehen und beim nächsten Blick auf die Uhr sind fast zwei Stunden vergangen.

Und als es dann bei mir so losging mit den eigenen Geschichten, der Autorin Doris Lautenbach, mit der Lesebühne und den Auftritten vor größerem und noch ein bisschen größerem Publikum, da blieb es, das wunderbare und magische Gefühl, das ich vom ersten Vorlesen an hatte.

Auch im Tonstudio ist das übrigens so.

(Pathos on) Vorlesen ist Magie und Seele pur (Pathos off)

Am 15. November ist ja wieder bundesweiter Vorlesetag.

Und bestimmt gibt’s dann wieder die niederschmetternde Erkenntnis, dass allgemein viel zu wenig vorgelesen wird.

Was mir unerklärlich ist. Bücher und Vorlesen sind doch Grundrechte.  Grundnahrungsmittel.

So wichtig wie Zucker und Zimt und Liebe und Küsse.

Deshalb, ihr Lieben, heute ganz besonders:

                      Thanks for reading!