Sebastião Salgado im C/O Berlin

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Wenn die tollste Galerie der Stadt ruft, wenn das C/O Berlin zur Presseführung einlädt, wenn der Fotograf anwesend ist und Sebastião Salgado heißt, kann man schon mal Herzklopfen vor Freude kriegen, non?

Heute öffnet die Ausstellung Genesis des französisch-brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado dann offiziell seine Pforten und ist bis zum 16. August 2015 im Amerika Haus in der Hardenbergstraße 22-24 zu sehen.

Ich kann euch nur tunlichst empfehlen, euch dorthin zu begeben, denn wer sich dieses Ereignis entgehen lässt, muss verrückt sein ist selber schuld.

Ich sage es besser gleich mal zu Beginn. Diese Ausstellung und die Begegnung mit Salgado, der so völlig uneitel, unglaublich präsent und mit einer Demut angesichts der überwältigenden Schönheit unseres Planeten, der letzten unberührten Naturräume der Welt, mit den Menschen und Tieren, die dort leben, zu uns gesprochen hat, hat mir butterweiche Knie beschert und ein paar Tränen auch. Dieser Tag wird noch sehr lange nachhallen.

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Sebastião Salgado hat fast drei Jahrzehnte die Dramen und Tragödien der Menschheit dokumentiert. Hungernde Frauen und Kinder in der Sahelzone, die Massaker in Ruanda und die Flucht verarmter Menschen vor bewaffneten Konflikten und Naturkatastrophen.

Da, wo es am trostlosesten, am unzugänglichsten und gefährlichsten war, dort, wo es keine Hoffnung gab, war auch Salgado und das machte den 71-jährigen zur Legende der Sozialfotografie.

2014 hat ihm Wim Wenders mit seinem Film „Das Salz der Erde“ ein Denkmal gesetzt.

Salgado in dem Film: „Ich habe so viele Tragödien gesehen, die Brutalität der Menschen lässt mich verzweifeln. Ich habe jetzt den Wunsch, den Planeten zu sehen, wie er vor einer Million Jahre gewesen ist.“

Und das ist die Ausstellung Genesis.

Überraschenderweise sind 46% (!) der Landmasse auf der Erde immer noch so unberührt wie am Tage der Schöpfung, und haben sich kaum verändert. Wie wundervoll.

Ich hätte gedacht, der Mensch hätte viel weiträumiger seine schrecklichen und hässlichen Spuren hinterlassen.

Salgado sagte gestern bei der Pressekonferenz:

„Ich habe Hoffnung für die Erde. Für die Menschheit nicht.“

(Same here)

Für das „Genesis“- Projekt reiste Salgado mit seinem Team acht Jahre lang in die unwegsamsten Gebiete fernab jeglicher Zivilisation. Er war mit dem Kanu unterwegs, zu Fuß, im Ballon, im kleinen Propellerflugzeug.

Die 245 Aufnahmen, großformatige, opulente Schwarz-weiß Fotografien zeigen die überwältigende Schönheit und die Artenvielfalt unberührter Flora und Fauna sowie indigener Völker.

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Sebastião Salgado und seine Frau Lélia Warnick Salgado sind übrigens gerade dabei, den Regenwald Brasiliens wieder aufzuforsten, haben über zwei Millionen Bäume gepflanzt und das Ökosystem dort regeneriert sich bereits.

Das letzte Wort hier soll Lélia, die die Ausstellung kuratiert hat, haben:

„Genesis ist die Suche nach der Welt, wie es sie einmal gab, wie sie über Jahrtausende existierte, bevor die Beschleunigung des modernen Lebens uns zunehmend vom Wesentlichen unserer Existenz distanzierte.

Es ist eine Reise zu Landschaften, Wasserwelten, Tieren und Menschen, die bis heute von unserer Zivilisation verschont geblieben sind (…) Dorthin, wo die Natur in stiller und reiner Erhabenheit herrscht(…)

Genesis ist ein fotografischer Versuch, diese Schönheit greifbar zu machen-eine visuelle hommage an einen verwundbaren Planeten, den zu schützen unser aller Aufgabe ist.“

Amen.

♥ Doris

Fotocredits:

1 Marine iguana (Amblyrhynchus cristatus). Galápagos. Ecuador. 2004.

2 Portrait Sebastião Salgado (c) Taschen Verlag

3 Southern Right whales (Eubalaena australis), drawn to the Valdés Peninsula because of the shelter provided by its two gulfs, the Golfo San José and the Golfo Nuevo, often navigate with their tails upright in the water. Valdés Peninsula, Argentina. 2004.

4 View of the junction of the Colorado and the Little Colorado from the Navajo territory. The Grand Canyon National Park begins after this junction. Arizona. USA. 2010.

5 Typically, the women in the Zo’é village of Towari Ypy use the “urucum” (Bixa orellana) red fruit to color their bodies. Pará State. Brazil. 2009.