Püppi. Die Krönung

Püppi

Ich hatte ja keine Ahnung. Man hatte mir nichts gesagt.

Sicher, ich hatte schon irgendwie mal von ihr gehört, Gerauntes und Vages, eine richtige Vorstellung hatte ich aber nicht…

Die Rede ist von der Neuköllner Oper.

Aber das ist ja das Wunderbare an Berlin.

Andauernd gibt’s ein neues Erstes Mal.

Meine neue Lieblings-Entdeckung also. Voilà. Darf ich vorstellen.
Die Neuköllner Oper.

Nichts gegen die anderen drei Berliner Opernhäuser, ich mag die, sehr, aber in Neukölln steht mit Sicherheit die aufregendste Variante.

(Kennt ihr euch eigentlich schon? Also Du und die Neuköllner Oper?)

Aufmerksam wurde ich, muss ich gestehen, durch den Titel der neuen Produktion, die letzten Donnerstag Premiere hatte, und der mir gleich so super gefiel:

Püppi. Die Krönung.

In der „Vierten Oper Berlins“ werden Klassiker adaptiert. Im Falle von Püppi handelt es sich um Monteverdis Die Krönung der Poppea.

Das Stück handelt, also jetzt mal sehr zusammengefasst, von Macht. Selbstverständlich blutig endend. Wer nicht mitmacht, muss weg.

Ich war schon im Vorfeld in allerbester und vorfreudiger Stimmung. Ich mag das Gebäude. Die knarrenden Holztreppen. Die verwinkelte Architektur. Die beiden Bars und die Bühne.

Das Publikum ist lässig und entspannt. Alle Alterklassen sind vertreten von 12 („man Mama“), pardon fast 13 bis 70 oder so. Das finde ich immer besonders schön.

Zu Püppi:

Staatspräsident Nero wurde von der Gattin verlassen. Frustriert wie er ist, verabscheut er alles, was mit Liebe zu tun hat und erlässt in Folge immer abstrusere Gesetzte und Verbote: Liebesfilme, Händchenhalten, alles wird sofort grausam geahndet.

Einzig sein Hund Püppi ist ihm geblieben.

Püppi, zu meiner großen Freude doch kein Dackel, sondern ein Schnauzer-Mix (und mit verblüffender Ähnlichkeit zum eigenen geliebten Haustier), zeigt sich auch anfangs live auf der Bühne.

Später sieht man Püppi nur noch schwanzwedelnd auf den vielen Monitoren.

Bilder Püppi 018

 

 

 

 

 

 

Püppi heißt übrigens im richtigen Leben Mompa. Zum Verlieben.

 

Apropos Monitore. Diese bestimmen auch das Bühnenbild.

Überraschung!
Die „lupenreine“ Demokratie ist in Wirklichkeit ein Überwachungsstaat.

Im Ankündigungstext aus der Neuköllner Oper heißt es dann auch:

„Wenn Schwule in Russland, küssende Paare in Ankara und in Weißrussland harmlos beieinander Stehende auf öffentlich Plätzen verfolgt werden, muss man wohl Komödien schreiben.“

Komödie? Für mich ist diese Inszenierung schön-schräg, aber auch unbedingt (bitter)ernst gemeint. Hier wird ausgeteilt. Und das Lachen bleibt zwischendurch buchstäblich im Halse stecken.

Großartige Sänger. Wunderbarer Abend. Absolut empfehlenswert.

Zum Vergleich noch mal unsere Püpppi aka Tammi kurz vor ihrer Krönung

Bilder Püppi Krone final + Text
Noch eine glücklich machende Entdeckung an diesem Abend.

Die Band ? Shmaltz !

Die die Püppi-Inszenierung musikalisch begleitet.

Von denen bin ich ja völlig hingerissen. Aber komplett. Und ich höre momentan auch nix anderes mehr.
(CD wurde sofort in der Pause erworben)

? Shmaltz ! steht für Herzblut, Rhythmus und Leidenschaft, ein bisschen Kitsch und viel Gefühl. Von Balkan bis Kurt Weill, Von Cumbia bis Tom Waits, von Berliner Schnauze bis Fellini-Film.

HIER ist die Seite

Und hier ein Ausschnitt aus ihrem Konzert im Supamolly

Und ihr so? Was habt ihr Hübsches neu entdeckt?

♥ Doris