Lore Krüger. Ein Koffer voller Bilder. Ausstellung im C/O Berlin

Lore Krueger C O Berlin

Lore Krüger, Paris, 1935, © Florence Henri. Nachlass Lore Krüger. Courtesy Galleria Martini & Ronchetti, Genoa, Italy

 

Wenn es um Fotografie und besondere Ausstellungen geht, gehört dass C/O Berlin auf alle Fälle zu meinen herzallerliebsten Orten in der Stadt.


Ganz besonders habe ich ja den alten Standort in Mitte gemocht (und ihm zuerst auch ziemlich hinterher geweint), wo das Ausstellungshaus für Fotografie und visuelle Medien jahrelang im ehemaligen Postfuhramt residierte.

Die spektakulärsten Ausstellungen der ganz großen Fotografen habe ich hier über die Jahre gesehen.

Annie Leibovitz, Nan Goldin, Arnold Newman, Peter Lindbergh und Robert Mapplethorpe fallen mir da auf die Schnelle ein, und jedes einzelne Mal war der Besuch dort ein Fest.

Ungefähr 15 Ausstellungen pro Jahr werden präsentiert.

Das C/O Berlin musste sich nach dem Verkauf des alten Postfuhramtes an einen Investor im Jahre 2012 neue Räumlichkeiten suchen. Zur Debatte stand beispielsweise auch die ehemalige Jüdische Mädchenschule in Mitte.

Schließlich fiel die Entscheidung auf das Amerika Haus in Charlottenburg, und am 30. Oktober 2014 eröffnete das C/O Berlin seine Ausstellungsaktivitäten in den neu gestalteten und sanierten Räumlichkeiten.

Und? Wie ist es denn jetzt so im neuen C/O Berlin?

Zugegeben, als riesengroßer Fan vom Postfuhramt war ich ja zuerst ein bisschen skeptisch.

Das hat sich aber sofort nach meinem ersten Besuch dort vor rund zwei Wochen schlagartig gegeben, und ich bin mittlerweile richtig begeistert, wie schön es geworden ist. Schlicht und hell und irgendwie filigran, das trifft es.

Und ich freue mich wirklich sehr, auch gerade als „alte Westberlinerin“, dass die City-West gerade so einen Aufschwung erlebt und das Amerika Haus, das sträflich lange im Dornröschenschlaf ruhte, auf so wunderbare Weise wach geküsst wurde.

C O Berlin

Das C/O hat täglich zwischen 11 und 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10, ermäßigt 5 Euro.

Besucher*innen bis zum 18. Lebensjahr haben freien Eintritt. Den Bookshop für Fotobände, Sekundärliteratur und Plakate empfehle ich genauso wie das hübsche Café im Haus.

Hier gibt es nicht nur leckeren selbstgebackenen Kuchen, sondern auch herzhafte Snacks, Stullen und Salate. Außerdem ein täglich wechselndes Tagesgericht. Und weil das so gut ist, habe ich mich da jetzt schon zweimal zum Lunch getroffen. Den Kartoffel-Ziegenkäseburger mit Gemüse und Salat lege ich euch besonders ans Herz.

Cafe C O Berlin

Foto Credit C/O Berlin © David von Becker

 

Lore Krüger. Ein Koffer voller Bilder

Das ist der Titel der aktuellen Ausstellung und die ist unbedingt sehenswert!

Lore_Krueger_Portrait

PortrÄt 1938 ©Lore Krüger

 

Lore Krüger wurde 1914 in Magdeburg geboren und machte ihre ersten fotografischen Versuche mit 19 Jahren als Au-Pair Mädchen in London. 1934 wird ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert, Lore ist Jüdin, so dass sie erst einmal zu ihren Eltern zieht, die vor den Nazis nach Mallorca geflohen sind.

Im gleichen Jahr noch beginnt sie in Barcelona eine Ausbildung als Fotografin, und führt diese später in Paris bei Florence Henri weiter. Dort arbeitet sie schließlich auch als professionelle Fotografin und wirkt schnell im Kreis der großen Fotografinnen der Weimarer Zeit mit.

In den folgenden Jahren beteiligt sie sich aktiv an politischen Aktionen gegen die Nationalsozialisten. Ihre Flucht, gemeinsam mit ihrer Schwester und später auch ihrem Ehemann, führt sie weiter nach Marseille, Trinidad, New York und Wisconsin.

Als ihre Eltern auf Mallorca den Bescheid zur Deportation bekommen, nehmen sich beide das Leben. Der herzzerreißende Abschiedsbrief an die beiden Töchter ist ebenfalls auf der Ausstellung zu sehen. Während sämtlicher Stationen ihrer abenteuerlichen Flucht, sie erlebt und überlebt Verhaftung und Internierungslager, hat sie ihre Kamera dabei. Einzigartige und historische Dokumente sind das, zwischen intimen Privatfotografien, Auftragsarbeiten und abstrakten fotografischen Experimenten.

1946 kehrt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern zurück nach Deutschland. In Ostberlin arbeitet sie fortan nicht mehr als Fotografin, sondern als Übersetzerin im Aufbau-Verlag für englische und amerikanische Literatur.

Unter anderem übersetzt sie Doris Lessing, Mark Twain und Joseph Conrad.

Diese Ausstellung über Lore Krüger ist ein Glücksfall.

♥ Doris