Lesung im Kater Holzig – Tino Hanekamp

von wegen!

Normalerweise finden die Lesungen vom Literarischen Colloquium Berlin ja in den ehrwürdigen Räumlichkeiten am Wannsee statt.

Doch durchaus flexibel zeigte man sich bei der Lesung von Tino Hanekamp, der für seinen ersten Roman „So was von da“  2011 auf der Lit. Cologne mit dem Silberschwein Debütantenpreis (doch, der heißt so) ausgezeichnet wurde. Momentan ist der 33-jährige Autor als Stipendiat Gast des LCB und da es in dem Roman um einen Club in Hamburg geht, wurde die Lesung einfach kurzerhand ins Kater Holzig verlegt. Das passt doch perfekt.

Und so war auch ich guter Dinge und voll der Vorfreude, am letzten Freitagabend. Im Gegensatz zu meiner Begleitung, mein bester Freund war zunächst ziemlich gereizt und wahrscheinlich auch durstig, als wir uns im Kater trafen. Ist dir schon klar, dass ich den höchstwahrscheinlich nicht mögen werde, aber so gar nicht. So lautete seine Begrüßung und natürlich meinte er den Autor, Tino Hanekamp.

Meinen besten Freund kenne ich jetzt seit fast zwanzig Jahren, deshalb wusste ich natürlich gleich, wie er das meint. Also habe ich ihm erstmal ein Bier ausgegeben und nach seinem blöden Projekt, mit dem er sich gerade auf der Arbeit rumärgert, hab ich auch extra nicht gefragt.

Was mein bester Freund nämlich tatsächlich dachte, war folgendes: Da schreibt ein Typ ein Buch, das räumt gleich Preise ab und bekommt fast durchweg gute Besprechungen, so geht’s schon mal los. Dazu kommt: Der Typ betreibt außerdem erfolgreich einen richtig guten Club in Hamburg, nämlich das „Uebel und gefährlich“, war vorher jahrelang Musikjournalist, sieht zudem sehr (sehr!) gut aus, die Proben am Schauspielhaus in Hamburg für sein Theaterstück laufen, er schreibt am zweiten Buch… Das ist ein bisschen viel des Guten. Könnte man ja auch wirklich meinen.

Darum geht`s in dem Roman: Oskar betreibt einen Club auf dem Kiez in Hamburg, es ist Silvestermorgen und abends soll die letzte große Party stattfinden. Morgen ist Schluss, da kommt der Bagger und das war`s dann. Aus der Traum. Oskar hat Schulden bis zum Anschlag, muss eine gigantische Party organisieren, einen irren Kiezluden hat er auch am Haken, dann ist da noch Mathilda und irgendwie muss er auf den Beinen bleiben. Dabei helfen allerhand skurrile Gestalten, Drogen, Leonard Cohen und Marc Aurel. Ich hab das Buch letztes Jahr ganz flott gelesen und fühlte mich aller bestens unterhalten!

Das Theater im Kater ist jetzt jedenfalls voll, es darf auch geraucht werden, die Stimmung ist gut, auch mein bester Freund hat sich mittlerweile ein bisschen entspannt, als Tino Hanekamp nach einem kurzen Filmausschnitt mit einer Schreckschusspistole und im Anzug die Bühne betritt.

Er schießt in die Luft, stellt sein Pappschild mit der Aufschrift „Ich kann es nicht“ auf, hat er angeblich hinter der Bühne gefunden, und beginnt mit der Lesung. Bei Pistole und Schild verzieht mein bester Freund noch einmal genervt das Gesicht, und danach, es dauert keine fünf Minuten, gibt er seinen Widerstand auf und lauscht nur noch. Ganz hingerissen ist er. Ha.      Ich wusste es.

Aber Tino Hanekamp liest auch wirklich so was von klasse, ist so was von sympathisch und der Abend war insgesamt so was von gut.