KANADA- Lesung mit Richard Ford

Richard Ford liest in der Akademie der Künste

Gestern startete in Berlin die Deutschland Lesereise anlässlich seines neuen Romans.

Der große amerikanische Schriftsteller Richard Ford, mit dem Pulitzer-Preis und PEN/Faulkner Award ausgezeichnet, stellte in der Akademie der Künste am Pariser Platz sein neues Werk KANADA vor. Begleitet wurde er dabei sowohl von seinem brillanten Übersetzer Frank Heibert, der als Moderator glänzend durch den Abend führte, als auch von Christian Brückner, völlig zu Recht  „The Voice“ genannt, Deutschlands Ausnahme-Synchronsprecher und Hörbuchproduzent (Parlando). Der Mann liest wirklich, dass ich weiche Knie bekomme, das nur mal so.

Richard Ford, der zwar französisch spricht, mit dem Deutsch lernen will es aber irgendwie noch nicht so richtig hinhauen, wurde später von Frank Heibert gefragt, wie es sich denn anfühle, das eigene Werk in fremder Sprache gelesen zu hören. Darauf antwortete er: wie Musik. Als würdest du Musik lauschen. Genau.

Also. Charismatische Herren auf der Bühne, preisgekrönt alle drei, die Akademie der Künste mit sensationellem Blick aufs erleuchtete Brandenburger Tor und exquisite Literatur: Was für ein schöner Sonntag!

Richard Ford, der äußerst entspannt, gut gelaunt und später beim Signieren geradezu herzlich wirkte, machte den Anfang und las aus Kapitel Eins, dessen erster Satz lautet: „First I´ll tell about the robbery our parents committed. Then about the murder which happened later“.

Damit geht es schon mal gut los. Erzählt wird die Geschichte von dem 15jährigen Dell, dessen Eltern nach dem missglückten Banküberfall im Gefängnis landen. Seine Zwillingsschwester läuft daraufhin davon und er selber, Dell, wird über die Grenze nach Kanada gebracht, um der Unterbringung im Heim zu entgehen. Fortan muss er also alleine in der Fremde sein Leben meistern, umgeben von allerhand skurrilen Gestalten.Kanada als Metapher für das Grenzgebiet zwischen „gut“ und „böse“, Schuld und Unschuld und wie schmal der Grad dazwischen oftmals ist. Es ist ein Buch über Demut, über das Einverstanden sein mit Unwägbarkeiten und Zufälligkeiten, die das Leben ausmachen. Wie macht man weiter, wenn einen das Schicksal aus der Bahn wirft?

Große Fragen. Und ganz große Literatur.