Januar, du kannst mich mal!

Petra Bork Pixelio

Ja. Schon klar. Es ist wenig originell, den Januar nicht zu ertragen. Mir doch egal, trotzdem: so trübe alles, jeder Schritt vor die Haustür eine einzige Zumutung und persönliche Beleidigung. Und natürlich sind wir alle krank gewesen, das Töchterchen, der Mann, selbst unser Riesenschnauzer hing in den Seilen und ich musste gar eine Lesung absagen, noch nie dagewesen so was. Und danach bin ich gleich noch kränker geworden, so schrecklich habe ich mich dabei gefühlt. Morgens alles bleischwer und bleigrau, sofort wieder hinlegen wollen, zu nichts Lust, null Energie. Höchstens, um den Hund zu kraulen und Jasmin Tee zu kochen, die tausendste Kanne. Und dann auch noch unbedingt wieder Rauchen wollen, was soll das denn jetzt, fühlte sich doch schon alles so gut und selbstverständlich an, das Nichtraucherleben.

Also hab ich mir gestern gesagt: Januar, du kannst mich mal! Und ich lass mir das nicht länger von dir gefallen. Das ist doch auch ungesund, sich so reinzusteigern in diesen Januarhass. Für die Seele sowieso, aber auch für den Teint.

Folgende Gegenmaßnahmen habe ich dann umgehend eingeleitet:

Tulpen. In pink und orange und gelb. Ich konnte kaum alle tragen, genauso muss das auch mit Tulpen sein, finde ich. Sie machen nun mal am meisten her, wenn so richtig aus dem Vollen geschöpft wird. Das hat auch die nette Verkäuferin auf dem Markt zu mir gesagt, außerdem gab sie mir noch den Tipp, die Blumen jeden Tag frisch anzuschneiden und dann das Wasser auch gleich zu wechseln. Ein Cent Stück in der Vase würde Oxidation verhindern und für noch längere Haltbarkeit sorgen. Wusste ich alles nicht, ich hab kein Händchen für Pflanzen. Den tollsten Strauß hab ich auf meinen Schreibtisch gestellt, den Rest überall verteilt. Ein sehr guter Anfang!

Neuer Lippenstift. Von Mac. Farbe Chili. Ah, schon viel besser.

Kleines Kulturprogramm. Hilft eigentlich immer. Ich bin also nach Mitte gefahren, in die ehemalige jüdische Mädchenschule in der Auguststraße. Ein guter Ort.

Angesichts der Geschichte dieses eindrucksvollen Hauses, beim Betrachten der jungen Mädchen auf den Fotos an den Wänden, den Informationen dazu über Deportationen während des Schulbetriebs im Jahre 1941, schämt man sich sofort seiner läppischen Wehwehchen und kommt schlagartig auf den Boden. Neben dem Museum „The Kennedys“ und der Galerie Fuchs gibt es dort eine Dependance der Fotogalerie Camera Work. Ich hab mich an dem Tag für die weltweit größte Sammlung zur Familiengeschichte der Kennedys entschieden. Absolut empfehlenswert! In der ehemaligen jüdischen Mädchenschule kann man auch ausgezeichnet essen: Im Restaurant „Pauly Saal“, der ehemaligen Turnhalle, in der Kantine „The Kosher Classroom“ und dem Deli, ganz im New York Stil, „Mogg & Melzer“, wo die Bagels und der Kaffee wirklich supergut sind.

Zum Schluss hab ich noch, wie immer, wenn ich in der Gegend bin, bei Princess Cheesecake zugeschlagen. „Be loved by chocolate“, hm, das ist da mein absoluter Lieblings-Favorit.  Und damit war dann das NY Gefühl auch perfekt. Und als ich abends das neue Lied von David Bowie „Where are we now“ gehört habe, war schon längst alles wieder gut. Angeblich soll es ja ab nächster Woche wieder so richtig kalt werden, eine sogenannte „Polarpeitsche“ sei im Anflug, na so was.

Ich bin jedenfalls gerüstet.