Herbst. Und Natascha Ungeheuer.

Herbst

Für mich ist ja der Oktober in Wirklichkeit der wahre Wonnemonat.
Ganz klar ist der Herbst im Aufwind, der Mai muss sich da ganz schön warm anziehen.

Ich meine, was bitte gibt’s Schöneres als Kuscheln und Salzkaramell Kekse auf der Couch!

Und sich immer höher türmende Bücherstapel neben dem Bett. Warme Füße in dicken Socken. Wärmflaschen. Rumlümmeln und Einhöhlen. Serien gucken und dazu krachend leckere Wirsingschips essen. Schnurrende Riesenschnauzermädchen. Doch. Unsere schnurrt.

Endlich wieder Röcke und Kleider mit Strumpfhosen tragen, die neuen Stiefel ausführen und anschließend in dampfende Teetassen pusten.

Und Spaziergänge.
Wie fand ich sie furchtbar früher. Laufen war das Schlimmste. Nur was für Bekloppte. Durch die Wälder latschen, über glitschige Steine stolpern und wegen schiefkrummen Wurzeln straucheln.

Jetzt bekomme ich davon nicht genug. Vom Draußensein. Von der Stille. Und vom Wald. Ob zu Fuß. Oder zu Pferd. Egal. Hauptsache, der Hund ist dabei.

Benni und Lotte

Sanft fließende Nebel, strahlende Farben und weiches Licht. Muster aus tanzendem Licht und Schatten.

Ein bisschen Weltschmerz gehört auch dazu, unbedingt, zum Herbst. Und zarte Melancholie. Überhaupt Melancholie, dieser wunderbare Seelenzustand, den Victor Hugo so treffend beschrieben hat:

Melancholie ist das Vergnügen, traurig zu sein.

Und das Essen natürlich. Herbstessen ist Kinderessen. Ist Trostessen.

Cremiger Milchreis, gekocht mit selbstgemachter Mandelmilch. Süßkartoffelpüree. Feldsalat mit roter Beete, Himbeeressig und Ziegenkäse. Granatapfelkerne. Walnußtarte.

Apropos sattsehen.

Letzte Woche habe ich die großartige Ausstellung von Natascha Ungeheuer gesehen.

Natascha Ungeheuer

Natascha Ungeheuer in ihrer Kreuzberger Wohnung. – Foto: Doris Spiekermann-Klaas, VG Bildkunst Bonn 2014

 

Ich kannte Natascha Ungeheuer vorher nicht.
Ich wusste nicht, dass diese großartige Künstlerin (eine Autodidaktin übrigens) vor ihrer Karriere als Malerin den Tanz und das Wort als Ausdrucksform gewählt hatte. Beides war ihr zu wenig intensiv.

Über ihre Malerei sagt sie:

„Ich schließe die Augen. Hunderte von Gedanken. Ich mache 50 Skizzen, manchmal mehr. Ich muss die Gedanken festhalten. Das Thema kommt später.“

50 Ölbilder von Natascha Ungeheuer, die übrigens in Kreuzberg lebt, sind im Willy-Brandt-Haus ausgestellt.

Ihre Bilder, ein älterer Mann neben mir nennt sie wohlwollend und treffend Ungeheuerlichkeiten, sind voller Phantasie und Lebendigkeit.

Ich fühle mich sofort in ihren Bann gezogen, muss ganz nahe an die Bilder rangehen, würde am liebsten mit dem Finger sachte drüber streichen, möchte kein Detail
verpassen. Ich gehe regelrecht in ihren Bildern spazieren. Ein wahrer Augenspaziergang.

Ich sag’s ja: Spaziergänge.

Ihre Werke sind voller Geschichten.

Ein Ausstellungsbesuch wird nicht reichen, um alles zu erfassen, das weiß ich sofort. Denn hat man erst einmal begonnen, sich in die Bilder zu versenken, entdeckt man immer mehr. Und noch mehr. Auch Rätselhaftes. Beunruhigendes.

Natascha_Ungeheuer_Blog
Geheimnisvoll ist sie, Natascha Ungeheuers Kunst. Theatralisch und aufregend.

Ich bin überwältigt von den Farben und Geschichten in einem einzigen Bild, herausgefordert, mir nichts entgehen zu lassen. Viel Surreales. Verborgene Sehnsüchte. Ängste und Träume. Tänzerinnen, Sängerinnen, Zauberer, Seiltänzer, Spieler, Säufer, Musikanten, Tiere.

Mich haut die Ausstellung in ihrer Intensität um.

Und? Was zaubert euch gerade so Herzchen in die Augen?

♥ Doris