Gordon Parks // I am You // Ausstellung im C/O Berlin

Ich hab es schon öfters gesagt und werde trotzdem kein bisschen müde, folgenden Satz zu wiederholen: Die Presseführungen im C/O Berlin sind ein Hochgenuss, ein Fest für Sinne und Seele. Jedes Mal sitze ich danach beschwingt, inspiriert und um einiges schlauer in der U-Bahn und habe den unwiderstehlichen Drang, DER GANZEN WELT mitzuteilen, warum man sich den neuesten Coup von C/O Berlin keinesfalls entgehen lassen sollte.

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Durch die Ausstellung führen an diesem Freitagmorgen der Hauptkurator von C/O Berlin, Felix Hoffmann sowie der Direktor der The Gordon Parks Foundation, Peter W. Kunhardt.

I am You. Was ich bin, bist auch du – wir sind uns näher als wir denken. Jede Freude überträgt sich unmittelbar. Anderen zugefügte Wunden zeugen nicht zuletzt von der eigenen Verletzlichkeit.

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(c) Gordon Parks Foundation

Der Autodidakt

Gordon Parks wurde 1912 in Fort Scott, Kansas inmitten von Armut und Rassentrennung geboren. Er verdiente sein Geld zunächst als Klavierspieler in drittklassigen Absteigen und als Zugbegleiter, bevor er sich in einem Leihhaus eine Kamera kaufte und sich das Fotografieren selbst beibrachte. Sein Werk wurde mit über 50 hochkarätigen Anerkennungen und Preisen ausgezeichnet.

Er starb 2006 im Alter von 93 Jahren.

Multitalent

Einfache Beschreibungen werden Gordon Parks nicht gerecht. Zwar wird er, der zu verschiedenen Zeiten seines Lebens auch erfolgreich als Schriftsteller, Dichter, Filmemacher und Komponist tätig war, vor allem als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts in Erinnerung bleiben.

Magazin Life

Von besonderer Relevanz in seiner Karriere ist eine Reihe von Foto-Essays, die er zwischen 1940 und 1970 für das Magazin Life schuf. Mit diesen wurde er zu einem maßgeblichen Interpreten afroamerikanischer Kultur und Politik in den USA.

American Gothic, Washington, D.C., 1942

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(c) Gordon Parks Foundation, American Gothic, Washington, D.C.,1942, Homeless Couple, Harlem, New York, 1948,  Untitled, Harlem, New York, 1947

Gordon Parks wollte jedoch nie nur über diese Foto-Essays definiert werden. Er hatte ein untrügliches Gespür für Stil, Eleganz und Schönheit und sah keinen Widerspruch darin, auch als Modefotograf in Paris und New York zu arbeiten.

Model wearing nursemaid's kerchief which has a stiff coronet and strings that go under hair to tie through a loop at its back by Lilly Dache.

(c) Gordon Parks Foundation, Husband and Wife, Sunday Morning, Detroit, Michigan, 1950

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(c) Gordon Parks Foundation, Jeweled Cap, Malibu, California, 1958

Der Chronist

Gordon Parks sah seine Kamera zeitlebens auch als Instrument gegen Rassismus, Ungleichheit, und Gewalt. Er benutzte sie intelligent, um die Schattenseiten des American Way of Life zu zeigen und zwischen den verschiedenen Gruppen einer zersplitterten Gesellschaft zu vermitteln.

Themen, die bis heute nichts an Brisanz verloren haben.
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(c) Gordon Parks Foundation, Untitled Washington D.C, 1963 

Sein vielseitiges Talent und sein einzigartiger Stil ließen ihn die damaligen Grenzen der Fotografie durchbrechen: er schoss Fotos wie ein Kameramann, komponierte Bilder wie ein Musiker und reihte diese wie ein Dichter zu Sätzen, zu Erzählungen, die Bände sprechen über die porträtierten Personen.

Die Bilder von Gordon Parks laden dazu ein, Schönheit und Leid zu sehen.

Und uns selbst im Gegenüber zu erkennen.

I am you.

Diese Ausstellung im C/O Berlin ist ein Glücksfall.

♥ Doris