Das Quasimodo // legendärer Konzertclub

Früher bin ich ja pausenlos zu Konzerten gerannt. Überhaupt war ich, wie mein gesamter Freundeskreis damals, mit einer atemlosen Ausdauer im Berliner Nachtleben unterwegs, dass mir heute noch schwindlig wird, wenn ich daran zurückdenke. Irgendwann aber ging mir glücklicherweise die Puste aus- und ein Licht auf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Einer meiner liebsten Konzertclubs zu dieser Zeit war das Quasimodo. Neben den Künstlern lag das an dem wunderbaren Ambiente: Tiefschwarze Wände, angenehm warmes Licht, intime Atmosphäre. 350 Gäste passten bei ausverkauftem Konzert in den Kellerclub.

Gegründet wurde das Quasimodo schon 1975 und avancierte schnell zum wichtigsten Live-Club Berlins.

Hier begann die Karriere von Maceo Parker, Prince schaute in seinen Anfängen regelmäßig vorbei, Dizzy Gillespie, Chet Baker und all die anderen.

Und wie oft ich Herman Brood dort bei seinen exzessiven und genialen Auftritten angeschmachtet habe, kann ich gar nicht mehr sagen. Zehnmal? Und wenn ich mich richtig erinnere, war ich, nachdem Herman mit einem Sprung vom Amsterdamer Hilton seinem Leben ein Ende setzte, auch nie wieder bei einem Konzert im Quasimodo.

Dran gedacht habe ich allerdings häufig. Schließlich befindet sich der Club auf dem gleichen Gelände wie die schöne Vagantenbühne (ein Theater, das ich sehr schätze) und dem historischen Delphi-Filmpalast (eines meiner Lieblingskinos).

Da das Berliner Nachtleben sich allgemein in den Osten der Stadt verlagert hat, war es ruhig geworden im Quasimodo. Zuletzt hörte ich von Stand-up-Comedians, die auf der Rock-und Jazz-erprobten Bühne des Charlottenburger Clubs ihr Glück versuchten.

Aber das hier wird kein trauriger Artikel über Clubsterben und die gute alte Zeit. Im Gegenteil. Ein Neustart steht ins Haus. Oder stand. Neueröffnung war am 1. März und es heißt, an dem ganz eigenen Charakter des Quasimodos sei nichts verändert worden.

Lediglich Bühne, Tanzboden und Backstage-Bereich wurden erneuert und außerdem eine digitale Audio-Anlage spendiert.

Wie früher, und wie es sich für einen Konzertclub gehört, werden die Künstler auch nicht vor 22.30 Uhr auf der Bühne stehen.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt. Ihr auch? Hier geht’s zum Programm.

♥ Doris