Cornelia Schleime // Ein Wimpernschlag // Berlinische Galerie

(picture alliance / dpa / Marijan Murat)

Mit seinem bedeutendsten Preis auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, dem Hannah-Höch-Preis, wird das hervorragende Lebenswerk einer Berliner Künstlerin/eines Künstlers ausgezeichnet.

Die Preisträgerin 2016 heißt Cornelia Schleime.

Aus diesem Anlass zeigt die Berlinische Galerie noch bis Ende April 2017 eine hinreißende Retrospektive dieser großartigen und vielseitigen Künstlerin, deren unglaublich ausdruckstarkes Werk schon zu DDR-Zeiten hochpolitisch war.

„Mich interessiert der poetische innere Raum. Der Ort in mir. Immer weiter suchen. Wie beim Pilze sammeln.“

Cornelia Schleime wurde 1953 in Ost-Berlin geboren. Ihr mutiges Eintreten für eine selbstbestimmte Kunst, die sich nicht den Vorgaben der Parteilinie unterwarf, bezahlte sie früh mit Stasi-Bespitzelung und einem Ausstellungsverbot.

Auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten, gründete sie die Punkband Zwitschermaschine, der kurz darauf ebenfalls das Auftreten untersagt wurde.
Cornelia Schleime experimentierte daraufhin mit Super-8-Filmen, Körperaktionen und Selbstinszenierungen.

„Ich habe Ausstellungsverbot. Also nehme ich jetzt meinen Körper, fange damit etwas an. Der ist jetzt meine Tür nach Außen.“

Nach mehreren Ausreiseanträgen siedelte sie 1984 mit ihrem Sohn Moritz nach West-Berlin über. Dabei ging praktisch ihr gesamtes künstlerisches Werk verloren.
Sie begann noch einmal neu. Fokussierte sich auf die klassischen Medien Malerei und Zeichnung, hielt aber auch weiterhin am Schreiben und an fotografischen Selbstinszenierungen fest. Bis heute begleiten diese ihr Werk.


„Für mich spielen Gefühle eine größere Rolle als Konstruktionen. Seltsamerweise stelle ich fest, wie die Künstler im freien Westen Nischen bevorzugen und opulenten, großen Gefühlen misstrauen, die ich gerade entdecke.“

Eine Retrospektive war längst überfällig. Zweimal habe ich diese Ausstellung jetzt schon besucht. Und mich noch immer nicht satt an Cornelia Schleimes Werk gesehen.

Schaut euch diese Ausstellung an. Und verliebt euch. So wie ich es getan habe.

♥ Doris