Berlin – Stadt der Frauen: Ausstellung im Ephraim-Palais

Ausstellung Starke Frauen 2Am Donnerstag habe ich mir die wunderbare Ausstellung Berlin- Stadt der Frauen im Ephraim Palais angesehen, und möchte euch diese jetzt so was von dringend ans Herz legen.

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Die Ausstellung feiert zwanzig couragierte Berliner Frauen aus den vergangenen 150 Jahren.

Sie alle einte der starke Wille nach Unabhängigkeit, das Bedürfnis und der Wunsch, durch Bildung zu Selbstbestimmung zu gelangen, um schließlich ein Leben nach eigenen Vorstellungen führen zu können.

Ein Recht auf Bildung. Ein Recht auf Arbeit. Ein Recht auf Gleichberechtigung.

Es geht hierbei nicht um „Heldinnengeschichten“ oder um weibliche Vorbilder mit Denkmalqualität, sondern um bemerkenswerte Bildungswege und Karrieren in einer Zeit, in der Frauen in ein Korsett gesellschaftlicher Zwänge eingeschnürt waren; in jenes groteske Mieder, das für die weibliche Garderobe damals unerlässlich war.

stadt-der-frauen-korsett_9(c) Stadtmuseum Berlin (Oliver Ziebe, Berlin)

Das Korsett als Symbolbild der Ausstellung.

Nicht nur die Körper der Frauen wurden eingezwängt. Ebenso wenig durften sich Geist und Verstand frei entfalten.

Die porträtierten Frauen haben sich den von Männern geformten Ideologien nicht unterworfen, sondern, jede auf ihre Art, sich dem Diktat des Mieders widersetzt und es bekämpft.

Stellvertretend für die 20 bewundernswerten Frauen, wie beispielsweise Hedwig Dohm („Werde die, die Du bist“), Katharina Heinroth („Tu was, dann wird Dir besser“) , Jeanne Mammen („Die Wandlung kommt mit dem Wissen“) Gisèle Freund und Marie von Bunsen („Lächelnd ruderte ich davon“), möchte ich euch eine dieser Frauen etwas näher vorstellen.

Fritzi Massary (1882-1969)

„Der Beginn einer Karriere ist ein Geschenk der Götter. Der Rest ist harte Arbeit.“
fritzi-massaryFriederike Masarik wird am 21. März 1882 in Wien als älteste von vier Kindern einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Das elterliche Vermögen brachte die Mutter in die Ehe ein; das kaufmännische Unvermögen ihres Vaters führte die Familie an den Rand des Ruins.

Die Mutter verlässt den Mann mit den Kindern. Schon früh erkennt Friederike die Vorteile finanzieller und emotionaler Unabhängigkeit.

Trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten erhält „Fritzi“ zunächst Klavierstunden, dann auf eigenen Wunsch Gesangsunterricht. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, Schauspielerin und Sängerin zu werden.
Obwohl ihre Gesangsausbildung noch bescheiden ist, bewirbt sie sich als Chorsängerin beim Wiener Carl-Theater. Tatsächlich wird sie angenommen und geht für ein halbes Jahr auf Russland-Tournee.

Nach Auftritten in Linz und Wien versucht sie mit 18 Jahren, inzwischen unter ihrem Künstlernamen Fritzi Massary, als Soubrette in Deutschland Fuß zu fassen.
Doch weder in Hamburg noch in Stuttgart will es ihr glücken. So kehrt sie nach Österreich zurück, und dort gelingt ihr der Durchbruch.
Sie landet die ersten Hits und wird in kürzester Zeit zum Publikumsliebling.
Mit dem verdienten Geld unterstützt sie Mutter und Geschwister, und die Männerherzen fliegen ihr zu. I903 kommt ihre die uneheliche Tochter Liesl auf die Welt.

Um Geld zu verdienen, steht die begehrte Künstlerin schon bald nach der Geburt wieder auf der Bühne, noch im selben Jahr folgt eine Tournee. Dann lockt sie ein lohnendes Engagement erneut nach Deutschland.

Im Sommer 1904 geht Fritzi Massary ans Berliner Boulevard-Theater „Metropol“ in der Behrenstraße (die heutige Komische Oper).
Auf Anhieb wird sie in der pulsierenden Metropole zum Publikumsmagneten, bald zählt sie zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.
fritzi massary 20s(c) Stadtmuseum Berlin

„Die Massary“ zu sehen gehört für viele Berlin-Besucher zum Pflichtprogramm, und wofür sie Werbung macht, das wird zum Verkaufsschlager.

Während des Ersten Weltkriegs heiratet sie Max Pallenberg, der als Charakterkomiker an deutschen Theatern brilliert.
Er ist für Fritzi Massary die Liebe ihres Lebens. Er adoptiert auch ihre Tochter und wird Manager der nun weltberühmten Diva, deren Gagen jetzt in schwindelerregende Höhen steigen.

Bis sich der braune Terror der Nationalsozialisten anbahnt.

Schon 1932 verlässt sie Berlin und geht mit ihrem Ehemann zunächst nach Wien; wenig später in die Schweiz. 1934 verunglückt Max Pallenberg bei einem Flugzeugabsturz.

Fritzi Massary, die nun nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre große Liebe verloren hat, verfällt in Depressionen. Ein Comeback-Versuch, den sie 1938 in England unternimmt scheitert.
Ihrer nach Übersee geflohenen Tochter gelingt es 1939, Fritzi Massary in die USA zu holen. Dort zieht diese sich vollends ins Private zurück.

ältere fritzi-massary(c) Markus Brandes

Am 30. Januar 1969 stirbt Fritzi Massary in Beverly Hills.

Die unbedingt sehenswerte Ausstellung ist eine Kooperation mit dem LETTE VEREIN BERLIN, der, gegründet zur „Förderung des weiblichen Geschlechts“ jetzt 150-jähriges Jubiläum feiert.

Grandiose Veranstaltungen rund um die Ausstellung gibt’s als Sahnehäubchen obendrauf. Bitte dazu HIER entlang.

♥ Doris