Berenice Abbott. Ausstellung im Martin-Gropius-Bau

abbott_portrait„Photography helps people to see.“ Berenice Abbott

New Yorker Jahre

Berenice Abbott wurde 1898 in Ohio geboren. Zunächst studierte sie Journalismus und zog 1918 nach New York, um dort zum Fach Bildhauerei zu wechseln.

Sie gehörte zur New Yorker Bohème, teilte sich ein Appartement mit der Schriftstellerin Djuna Barnes und war mit den Dadaisten Marcel Duchamp und Man Ray befreundet.

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Djuna Barnes

In Paris. Von der Bildhauerin zur Fotografin

1921, mit 23 Jahren, zog Berenice Abbott, wie so viele ihrer Generation, nach Paris. Die Kunst war dort allgegenwärtig und das Leben mit Dollars günstig.

Ursprünglich sah ihr Plan vor, als Bildhauerin tätig zu sein. Auch in der französischen Hauptstadt bewegte sie sich im Fahrwasser der Künstler- und Intellektuellenkreise des Greenwich Village, mit denen sie schon während ihrer New Yorker Jahre in Kontakt stand.

So traf sie auch Man Ray wieder, der ihr anbot, ihm in seinem Pariser Porträt-Studio zu assistieren.

Berenice entdeckte ihr Talent als Fotografin und hatte 1926 ihre erste Einzelausstellung mit Portraits von Künstlern und Literaten der Pariser Avantgarde.

Mit ihren Porträtfotos verhalf sie unter anderem den Dichtern André Gide und James Joyce, sowie dem Multitalent Jean Cocteau zu weltweiter Beachtung und spielte dabei eine wichtige Rolle für deren Ruhm.

Berenice Abbott betrachtete die Porträtfotografie als Reflektion der Persönlichkeit, des Charakters und des Stils des Porträtierten.

Jean Cocteau

 

 

 

 

 

Jean Cocteau

Janet Flanner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Janet Flanner

James Joyce

 

 

 

 

 

 

 

 

 

James Joyce

Sylvia Beach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sylvia Beach

 

 

 

 

Ihr großes Vorbild Eugène Atget

In Paris sollte Berenice Abbott dann auch ihr großes Vorbild Eugène Atget  kennenlernen. Sie besuchte ihn mehrfach, fotografierte ihn und erwarb seine Arbeiten.

Atget, jenen Chronisten des Vieux Paris, der die Stadt in seinen unterschiedlichen Facetten ablichtete. Und dadurch eine besondere Sicht auf diese und ihre Bewohner um die Jahrhundertwende aufzeigte.

Nach seinem Tod 1927 kaufte sie 1500 seiner Negative und rund 10.000 seiner im Atelier verbliebenen Abzüge.

Somit rettete sie sein Werk, das heute dem Museum of Modern Art gehört, vor dem Vergessen.

Eugene Atget

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eugène Atget

 

Zurück in New York

Auf der Suche nach einem Verleger für ein Buch über Atget, kehrte Berenice Abbott 1929 zurück nach New York.

Wie Paris befindet sich auch New York zu dieser Zeit im Transformationsprozess. Die alten Viertel verschwinden peu à peu und werden von einer rasant wachsenden Skyline abgelöst.

Berenice wendet sich von der Porträtfotografie ab und beschließt, fortan den New Yorker Wandel, die sich verändernde Metropole zu dokumentieren.

Sie orientiert sich dabei an Atgets Parisbildern, zeigt Ruinen und Abbruchhäuser gleichberechtigt neben Wolkenkrazern.

New YorkNew_York Restaurant1939 erschien dann ihr berühmtes Buch: „Changing New York“.

Ab 1940 wendete sich Berenice der Wissenschaftsfotografie zu und blieb bis zu ihrem Tod 1991 als Fotografin tätig.

Wie beglückend, dass der Martin-Gropius-Bau die große Künstlerin Berenice Abbott mit dieser wundervollen Ausstellung ehrt.

Bis zum 3. Oktober 2016 ist sie zu sehen.

Lasst sie euch nicht entgehen!

♥ Doris

 

Alle Bilder (c) Berenice Abbott