Arnold Newman. Masterclass

Alfred Krupp

Das C/O Berlin gehört für mich ganz klar zu den schönsten Ausstellungsorten in Berlin! Noch befindet es sich im kaiserlichen Postfuhramt in der Oranienburgerstraße, einem wahrlich beeindruckenden Gebäude. Diesen Sommer wird das C/O Berlin allerdings noch in das Atelierhaus im Monbijoupark umziehen müssen. Mal abwarten.

Der thematische Schwerpunkt jedenfalls liegt auf Fotografieausstellungen von Weltklassekünstlern (Peter Lindbergh, Annie Leibovitz, Nan Goldin, um nur mal einige zu nennen), fördert mit den Projekten Talents, Close up!  sowie Junior  aber genauso engagiert den Nachwuchs. Bis zum 20.Mai 2012 hat man allerdings noch die Möglichkeit, die unbedingt sehenswerte Ausstellung Masterclass des New Yorker Porträtfotografen Arnold Newman an alter Stelle zu bewundern. Und diese Möglichkeit sollte man auch tunlichst wahrnehmen.

Arnold Newman (*1918; ☨ 2006) gehörte zu den wichtigsten und einflussreichsten Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Zunächst studierte er Malerei, brach das Studium jedoch ab und verdingte sich als Porträtfotograf in einem Kaufhaus. 1940 eröffnete er ein eigenes Studio in Florida, wurde von Alfred Stieglitz gefördert und perfektionierte sein Können schließlich in New York. Arnold Newman sagte über sich er nehme Bilder nie nur mit der Kamera allein, sondern vor allem mit dem Herzen und Verstand auf. Ihn interessiere an erster Stelle, was Menschen antreibt. Porträt sei für ihn eine Art Biographie. Ihn interessiere nie „die Hülle“, sondern der ganze Mensch und deshalb beziehe er grundsätzlich das Umfeld und den geistigen Hintergrund des Porträtierten ein.

So sieht man in der Ausstellung beispielsweise ein Bild von Marilyn Monroe, das sie völlig schutzlos und ohne Maske zeigt. Herzzerreißend, ihr Gesichtsausdruck. Besonders beeindruckend fand ich außerdem ein Porträt von Otto Frank, dem Vater Anne Franks, der als Einziger in seiner Familie den Holocaust überlebte. Arnold Newman fotografierte ihn in dem ehemaligen Versteck der Familie in Amsterdam und die Schatten (der Vergangenheit) scheinen Otto Frank auf diesem Bild förmlich zu erdrücken.

Gruselig-genial auch das Porträt von Alfred Krupp, der 1941 von seinem Vater die Leitung des Stahlkonzerns übernahm. Für seine Vergehen im 2. Weltkrieg, Rüstungsproduktion für die Wehrmacht und die Ausbeutung von Zwangsarbeitern, wurde er nach dem Krieg angeklagt und zu zwölf Jahren Haft sowie der Einziehung des gesamten Vermögens verurteilt. Nach drei Jahren Haft erfolgte die Begnadigung und er übernahm wieder die Leitung seines Unternehmens. Arnold Newman porträtierte ihn in seinem Büro und er sieht auf dem Bild tatsächlich wie Satan persönlich aus.

Unbedingt anschauen, die Ausstellung, bevor sie Ende Mai nach Den Haag, Texas und Kalifornien weiter wandert.