Lesung im Antiquariat Morgenstern – Berlin Steglitz

Am 6.12.12 ist es soweit: Endlich wieder Nikolaus! Nein, das  ist natürlich nicht das Ereignis, das wir Unerhörten hier schamlos bewerben wollen, sondern die Premierenlesung in dem wunderschönen Café und Antiquariat Morgenstern in der  Schützenstraße 54, nur ganz wenige Minuten vom S-Bahnhof Steglitz entfernt. Aber trotzdem haben wir passend zu dem Datum das Thema SCHUHE gewählt und daher dürft Ihr alle ab 19 Uhr kommen und lauschen, was für Geschichten Euch die Unerhörten dazu in die Schuhe schieben!

Lesung im Kater Holzig – Tino Hanekamp

von wegen!

Normalerweise finden die Lesungen vom Literarischen Colloquium Berlin ja in den ehrwürdigen Räumlichkeiten am Wannsee statt.

Doch durchaus flexibel zeigte man sich bei der Lesung von Tino Hanekamp, der für seinen ersten Roman „So was von da“  2011 auf der Lit. Cologne mit dem Silberschwein Debütantenpreis (doch, der heißt so) ausgezeichnet wurde. Momentan ist der 33-jährige Autor als Stipendiat Gast des LCB und da es in dem Roman um einen Club in Hamburg geht, wurde die Lesung einfach kurzerhand ins Kater Holzig verlegt. Das passt doch perfekt.

Und so war auch ich guter Dinge und voll der Vorfreude, am letzten Freitagabend. Im Gegensatz zu meiner Begleitung, mein bester Freund war zunächst ziemlich gereizt und wahrscheinlich auch durstig, als wir uns im Kater trafen. Ist dir schon klar, dass ich den höchstwahrscheinlich nicht mögen werde, aber so gar nicht. So lautete seine Begrüßung und natürlich meinte er den Autor, Tino Hanekamp.

Meinen besten Freund kenne ich jetzt seit fast zwanzig Jahren, deshalb wusste ich natürlich gleich, wie er das meint. Also habe ich ihm erstmal ein Bier ausgegeben und nach seinem blöden Projekt, mit dem er sich gerade auf der Arbeit rumärgert, hab ich auch extra nicht gefragt.

Was mein bester Freund nämlich tatsächlich dachte, war folgendes: Da schreibt ein Typ ein Buch, das räumt gleich Preise ab und bekommt fast durchweg gute Besprechungen, so geht’s schon mal los. Dazu kommt: Der Typ betreibt außerdem erfolgreich einen richtig guten Club in Hamburg, nämlich das „Uebel und gefährlich“, war vorher jahrelang Musikjournalist, sieht zudem sehr (sehr!) gut aus, die Proben am Schauspielhaus in Hamburg für sein Theaterstück laufen, er schreibt am zweiten Buch… Das ist ein bisschen viel des Guten. Könnte man ja auch wirklich meinen.

Darum geht`s in dem Roman: Oskar betreibt einen Club auf dem Kiez in Hamburg, es ist Silvestermorgen und abends soll die letzte große Party stattfinden. Morgen ist Schluss, da kommt der Bagger und das war`s dann. Aus der Traum. Oskar hat Schulden bis zum Anschlag, muss eine gigantische Party organisieren, einen irren Kiezluden hat er auch am Haken, dann ist da noch Mathilda und irgendwie muss er auf den Beinen bleiben. Dabei helfen allerhand skurrile Gestalten, Drogen, Leonard Cohen und Marc Aurel. Ich hab das Buch letztes Jahr ganz flott gelesen und fühlte mich aller bestens unterhalten!

Das Theater im Kater ist jetzt jedenfalls voll, es darf auch geraucht werden, die Stimmung ist gut, auch mein bester Freund hat sich mittlerweile ein bisschen entspannt, als Tino Hanekamp nach einem kurzen Filmausschnitt mit einer Schreckschusspistole und im Anzug die Bühne betritt.

Er schießt in die Luft, stellt sein Pappschild mit der Aufschrift „Ich kann es nicht“ auf, hat er angeblich hinter der Bühne gefunden, und beginnt mit der Lesung. Bei Pistole und Schild verzieht mein bester Freund noch einmal genervt das Gesicht, und danach, es dauert keine fünf Minuten, gibt er seinen Widerstand auf und lauscht nur noch. Ganz hingerissen ist er. Ha.      Ich wusste es.

Aber Tino Hanekamp liest auch wirklich so was von klasse, ist so was von sympathisch und der Abend war insgesamt so was von gut.

Christoph Schlingensief – Ein Abend in der Akademie der Künste Berlin

Patti Smith und Wim Wenders in der AdK

Ein ganz besonderer Abend war das, letzten Samstag in der Akademie der Künste, auf den ich mich schon lange im Voraus gefreut hatte.

Intensivstationen Christoph Schlingensief, so stand`s auf dem Programm und Anlass der Gedenkveranstaltung waren die kürzlich erschienen Memoiren „Ich weiß, ich war`s“, herausgegeben von seiner Frau Aino Laberenz, sowie die Übergabe seines Archivs an die Akademie der Künste. Um 40 Regalmeter soll es sich dabei handeln, überwiegend elektronische Medien und die Übergabe sei schon vor seinem Tod 2010 vereinbart worden, berichtete Akademie Präsident Klaus Staeck in seiner Eingangsrede.

Und dann folgten Lesungen aus „Ich weiß, ich war`s“ – sein neues Buch lege ich hiermit allen unbedingt ans Herz. Außerdem Gespräche mit Aino Laberenz, dem Verleger Helge Malchow sowie diversen Regisseuren und Wegbegleitern.

Zwischendurch wurden Filmausschnitte gezeigt, urkomisch beispielsweise, was Friedrich Küppersbusch da mitgebracht hatte („Teddy Parker“ und „Atze Hotzler“). Kurzfilme, die Christoph Schlingensief Anfang der Neunziger für „ZAK“ gedreht hatte.

Sie alle erinnerten sich also auf ihre persönliche Weise an den genialen, im besten Sinne ver-rückten, unterhaltsamen, klugen und charmanten Künstler Christoph Schlingensief, der schon mit 12 Jahren vom Film besessen war und mit Schmalfilmen experimentierte, bevor er später Assistent von Werner Nekes wurde.

In den 90er Jahren fing er dann an, Theater in Berlin zu machen, jenseits aller Normen, zunächst an der Berliner Volksbühne, bei seinem Freund Frank Castorf.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich da 1996 Rocky Dutschke `68 gesehen habe, zusammen mit meiner Freundin Caro und wir beide irgendwie nichts kapiert haben, also null, das aber überhaupt nicht schlimm fanden. Wir wussten nur, wir sind absolut hingerissen, nicht zu erklären war das. Sophie Rois habe ich übrigens bei der Gelegenheit auch zum ersten Mal gesehen und fand sie gleich toll.

Natürlich ging es an dem Abend in der Akademie auch um Bayreuth, und was wohl Wolfgang Wagner damals geritten haben muss, als er Christoph Schlingensief als Regisseur für „Parsifal“ verpflichtete.

An dem Punkt nahm dann der Abend noch mal Fahrt auf, glücklicherweise, denn nach all den schrägen Filmausschnitten, den Gesprächen über Fluxus, Surrealismus, Aktionismus, Krebs, Glaubenszweifel, also, das wurde mir ein bisschen viel, das muss man ja auch alles verarbeiten, aber Rettung nahte. Und was für eine. Die Bühne betrat dann nämlich Wim Wenders, der eine rührende Anekdote vorlas, wie Christoph Schlingensief, der damals um jeden Preis an die Filmhochschule in München wollte, Wenders Unterstützung brauchte. Deshalb telefonierte der Oberhausener Apothekersohn Schlingensief mit dem Oberhausener Arzt Dr. Wenders, also Wims Vater, quasi Solidarität unter Medizinerkindern, damit der Vater einen Kontakt zum Sohn herstellte.

Außerdem nahm Patti Smith Platz. Die fantastische Patti Smith, die ja sowieso die Beste ist. Seit Parsifal in Bayreuth enge Freundin von Schlingensief und sie sagte schöne und weise und witzige Dinge und selbstverständlich hat sie am Ende auch gesungen, in der Akademie der Künste und das Publikum mit ihr, so auch eine A-cappela-Version von „Because the night.    Und das war magisch.